Speaker*innen CSL Berlin 2020

Wenn wir über die Klimakrise sprechen, dürfen wir nicht nur an den CO2-Ausstoß denken. Wir müssen in unserem Narrativ einen holistischen und interdisziplinären Ansatz finden und uns davon befreien, für jeden Kommunikations- und Berufsbereich ein eigenes Narrativ zu schaffen. Nur wenn wir auf nachhaltige Produktion, Energieversorgung und Landwirtschaft setzen, die Artenvielfalt schützen, unser Umweltbewusstsein und Konsumverhalten verändern, globale Ungerechtigkeiten bekämpfen und unsere Verantwortung auf eine positive Art anerkennen, können wir der Klimakatastrophe entgegenwirken und haben eine Chance, das Leben für unsere Generationen und die nachfolgenden lebenswert und nachhaltig zu gestalten.

Die zentrale Frage die wir uns stellen: wie können wir durch Klimakommunikation viele Menschen erreichen, das Bewusstsein für die Klimakrise stärken und zum Handeln anregen?

Deshalb haben wir Expert*innen aus verschiedensten Bereichen eingeladen, um gemeinsam mit ihnen über effektive und nachhaltige Klimakommunikation nachzudenken, Fakten zu betrachten und uns inspirieren zu lassen.

Deshalb haben wir Expert*innen aus den verschiedensten Bereichen eingeladen, um gemeinsam mit ihnen über effektive, konstruktive und nachhaltige Klimakommunikation zu diskutieren, gemeinsam wissenschaftliche Befunde zu betrachten und uns inspirieren zu lassen.

Hier eine Auswahl der ersten Speaker*innen des Climate Story Lab Berlin 2020:

Ilija Trojanow

Autor (u. A. ›Der Weltensammler‹ und ›Eistau‹)

Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia, floh mit seiner Familie 1971 über Jugoslawien und Italien nach Deutschland, wo sie politisches Asyl erhielt. Er wuchs in Nairobi auf, studierte Jura, Ethnologie und Havarie in München und gründete dort  den Marino Verlag. 1998 zog Trojanow nach Mumbai, 2003 nach Kapstadt, heute lebt er, wenn er nicht reist, in Wien. Seine bekannten Romane wie z.B. ›Die Welt ist groß und Rettung lauert überall‹, ›Der Weltensammler‹ und ›Eistau‹ sowie seine Reisereportagen wie ›An den inneren Ufern Indiens‹ sind gefeierte Bestseller und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Miriam Saage-Maaß

Rechtsanwältin & stellvertretende Legal Direktorin des "European Center for Constitutional and Human Rights"

Miriam Saage-Maaß ist Rechtsanwältin und stellvertretende Legal Director des European Centers for Constitutional and Human Rights, wo sie das Programm Wirtschaft und Menschenrechte leitet. Sie hat unter anderem an Verfahren gegen Unternehmen wie KiK und Lidl wegen der Ausbeutung von Arbeiter*innen in Pakistan und Bangladesch sowie gegen Baumwoll­handels­unternehmen wegen Kinder- und Zwangsarbeit in Usbekistan gearbeitet. Sie schreibt regelmäßig zur Frage der juristischen Verantwortung von Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen in den globalen Zulieferketten und tritt international als Expertin im Bereich Unternehmensverantwortung und Menschenrechte auf.

The Yes Men

Aktivisten

The Yes Men sind eine Netzkunst- und Aktivistengruppe, die unter den Psydonymen „Andy Bichlbaum“ und „Mike Bonanno“ agieren. Seit 1996 haben die Yes Men mit Humor und Tricks die Machtübernahme der Konzerne in der Gesellschaft, den neoliberalen Wahn, der sie ermöglicht, die Verantwortung der korporativen Demokraten für unsere gegenwärtige Situation und so weiter hervorgehoben. Und wenn es uns auch nur um "Bewusstseinsbildung" geht, so ist uns doch klar, dass das nicht alles ist und dass es nur die laufenden Kampagnen sind, die wirklich etwas verändern.

Ronny Sommer

Peng!

Peng! ist ein Experimentallabor für neue Formen radikalen Protests, mit der Mission die Zivilgesellschaft mit schärferen Waffen für ihr politisches Campaigning auszustatten und experimentiert dabei mit Subversion, Medienguerilla und zivilem Ungehorsam. Wir lernen von den Künsten, Hacking, der Politik und großen Unternehmen, um provokative und kritische Interventionen zu gestalten und durch taktische Medienarbeit den öffentlichen Diskurs zu verschieben. Wir arbeiten an verschiedenen thematischen Feldern von sozialer Ungerechtigkeit über Antimilitarismus, Umweltschutz bis hin zu Bürger- und Menschenrechten.

Ronny Sommer, Designer, Entwickler, Medientaktiker und Campaigner, hat 2013 das Peng! Kollektiv mitgegründet und spezialisiert sich seitdem auf politische Medienhacks zwischen Aktivismus und Kunst. Daneben gibt er Workshops für NGOs, Politgruppen und Kunsthochschulen.

Belina Raffy

Gründerin "Sustainable Stand Up"

Belina Raffy wuchs als Kind in den Wäldern der USA, Mexikos und Kanadas auf, um dann irgendwie in einem langweiligen, komplexen, unter hohem Druck stehenden Job bei einer großen Bank in New York zu enden. Zu diesem Zeitpunkt wandte sie sich erstmals Improvisations-Workshops zu und führte Stand-up-Comedy auf, um bei Verstand zu bleiben. Um die volle Last der Jahr-2000-Fähigkeit zu vermeiden, machte Belina einen MBA in Großbritannien, um sich zu "entspannen" und sich neu zu orientieren. Aber ihre wirkliche Neuorientierung kam, als sie dem Vorstand des Applied Improvisation Network beitrat und beschloss, ihr Leben der Hilfe für diejenigen zu widmen, die die Welt wirklich besser machen.

Heute hilft Belina Klimawissenschaftlern, Sozialunternehmern, Aktivisten, internen Change Agents, humanitären Helfern und anderen:
1. freudiger und effektiver zusammenzuarbeiten, um der Menschheit zu helfen. 2. ihre Organisationen an den Prinzipien auszurichten, die der Natur helfen, zu gedeihen, so dass die Organisationen von nachhaltig zu regenerativ werden können. 3. wichtige Klima- und Sozialfragen mit einer sehr mitfühlenden Form von Komik zu vermitteln. Ihre Erkenntnisse über die universelle, liebevolle und fraktale Natur der Improvisationsprinzipien sind in ihrem eBook "Using improv to save the world (and me)" veröffentlicht. Belina ist eine Weltbürgerin, die viel kichert, weil sie liebt, was sie tut, und sie lebt jetzt in Berlin.

Michaela Krömer

Anwältin, Klimaklage Österreich

Michaela Krömer beschäftigt als Anwältin, welche Antworten das Recht auf die existenziellen Fragen unserer Zeit gibt. Sie engagiere sich für Grund- und Menschenrechte, weil sie davon überzeugt ist, dass sie einen entscheidenden Beitrag zu sachgerechten Lösungen leisten können.

Gemeinsam mit Greenpreace hat sie im Auftrag von 8.063 Betroffenen die Aufhebung von klimaschädlichen Steuerausnahmen beantragt. Ausnahmen im Umsatzsteuergesetz für internationale Flüge sowie die Steuerbefreiung von Kerosin für Inlandsflüge stellen eine aktive Förderung des Flugverkehrs dar. Dies obwohl ein Flug rund 31 mal klimaschädlicher ist als eine Bahnfahrt. Durch diese erste Klimaklage in Österreich und durch die Individualanträge zeigt die Klage exemplarisch das Systemversagen und die Notwendigkeit für einen Systemwechsel auf.

Carel Carlowitz Mohn

Chefredakteur von klimafakten.de

Carel Carlowitz Mohn ist Chefredakteur und Projektleiter von klimafakten.de. Der Journalist und Politikwissenschaftler arbeitete er als Kommunikationsdirektor Deutschland für die European Climate Foundation, führte die Kommunikationsabteilung des DIW Berlin, arbeitete als Sprecher für den Bundesverband der Verbraucherzentralen und bei Transparency International. Er ist auch als Programmdirektor beim Clean Energy Wire CLEW tätig. Er ist Mitinitiator des K3-Kongresses für Klima, Kommunikation und Gesellschaft.

Inga von Staden

strategische Leiterin: Interactive Media Foundation

Inga von Staden ist die strategische Leiterin der Interactive Media Foundation mit Sitz in Berlin. Darüber hinaus unterrichtet sie transmediale Content-Entwicklung an verschiedenen Medien- und Filmhochschulen, spricht auf Konferenzen zur konvergierenden Medienlandschaft und moderiert Workshops zum Weltbau in Deutschland, Europa und Israel.
Sie arbeitete als Autorin, Kreativdirektorin und Produzentin in audiovisuellen Medien (Film, TV, Games und Expanded Reality). Ihre Faszination für die digitale Transformation und ihre Implikationen für Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft haben sie zur Erbauerin von Brücken und Netzwerken gemacht. Sie initiierte und betreute eine Reihe medien- und technologiebezogener Projekte, coachte Start-ups, beriet Privatunternehmen und öffentliche Einrichtungen, kuratierte Veranstaltungen, definierte neue Berufsbilder für die digitale Medienbranche und schuf entsprechende Bildungsprogramme.

Valentin Thurn

Regisseur (u. A. "Taste the Waste")

Der Regisseur Valentin Thurn wurde international bekannt mit „Taste the Waste – die globale Lebensmittelverschwendung“ und „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ Beide Kino-Dokumentarfilme waren Publikums-Renner und gewannen zahlreiche Preise im In- und Ausland.
Zu seinen Filmen schrieb er die Bücher: „Die Essensvernichter“ und „Harte Kost“ und realisierte in den letzten 20 Jahren über 40 Dokumentationen für ARD, ZDF und ARTE.

Darüber hinaus gründete er 2012 den „Foodsharing e.V.“ und 2014 den „Taste of Heimat e.V.“ und inspirierte über 30 Städte im deutschsprachigen Raum, einen Ernährungsrat zu gründen.

Juan Auz

Centre for Fundamental Rights, Hertie School

Juan Auz ist Mitbegründer von Terra Mater und ehemaliger Direktor der Fundación Pachamama, zwei Organisationen, die die Rechte der indigenen Völker im ecuadorianischen Amazonasgebiet verteidigen und die verbleibenden Ökosysteme indigener Territorien schützen. Nach einem Forschungsaufenthalt am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) als Alexander-von-Humboldt-Stipendiat trat er als Doktorand in dasCentre for Fundamental Rights der Hertie School ein. Er arbeitete als politischer und rechtlicher Berater für nationale und regionale indigene Organisationen und ist Mitglied von CIVICUS, der Weltkommission für Umweltrecht der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) sowie der Europäischen Gesellschaft für Völkerrecht. Er erhielt seinen Bachelor of Laws von der Universidad de las Americas in Quito und seinen Master of Laws in Global Environment and Climate Change Law von der University of Edinburgh.

Dr. Kirsten Brodde

Greenpeace - Leitung Kohleausstieg, Klima und Energie

Kirsten Brodde lebt und arbeitet in Hamburg. Sie leitet die Klima&Energie-Kampagne von Greenpeace Deutschland. Zuvor hat sie die globale Detox-Kampagne geführt, die sich mit den Umweltschäden der überhitzten Modeindustrie beschäftigt. Ihr Buch „Saubere Sachen“ (2009) ist ein Standardwerk zum Thema Ökomode, 2010 erschien „Protest!“ über modernes Campaigning, 2018 „Einfach anziehend“ – der Guide für alle, die Wegwerfmode satthaben.

Die Umweltaktivistin kämpft gegen Überflussgesellschaft und Klimakrise. Sie ist die Spezialistin von Greenpeace für „mindset change“ – den Mentalitätswandel in den Köpfen der Menschen. Ausgehend von den Erfahrungen der Menschen in der Corona-Krise, hat sie mit einem kleinen Team einen neuen Ansatz erprobt und die Deutschen ermutigt, ihre persönlichen Klimageschichten zu erzählen, um die Kluft zwischen Campaigning und subjektiven Alltagserfahrungen zu überbrücken.

Tonny Nowshin

Urgewald e.V

Tonny Nowshin ist Forscherin im Bereich der Wirtschaftswissenschaften und Aktivistin für Wachstum und Klimagerechtigkeit. Tonny ist in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, aufgewachsen. Sie war von der Mittelschule bis zur frühen Universitätszeit eine Aktivistin für soziale Belange. Sie kam nach Berlin um ihren zweiten Master-Abschluss in internationaler und Entwicklungsökonomie zu machen. Während ihrer Magisterarbeit im Jahr 2017 las Tonny die Berichte des IPCC. Tief bewegt davon, wurde sie in der Klimabewegung aktiv. 

Tonny hat mehr als 6 Jahre Erfahrung mit verschiedenen internationalen NGO's wie BRAC, Action Aid und 350.org. Gegenwärtig arbeitet sie mit der deutschen NGO Urgewald, die sich auf die Finanzierung fossiler Brennstoffe konzentriert. Tonny interessiert sich leidenschaftlich für die Kreuzungsbewegungen, insbesondere für den Kolonialismus und die Klimakrise.

@t_nowshin on Instagram and Twitter

Carla Reemtsma

Fridays for Future

Carla Reemtsma ist Klimaaktivistin bei Fridays For Future. Nach Greta Thunbergs aufsehenerregender Rede auf der Klimakonferenz in Kattowitz meldete sie den ersten Schulstreik an einem regnerischen Freitag im Januar 2019 vor dem Rathaus in ihrer Universitätsstadt Münster an. Überwältigt von der Menge an Gleichgesinnten organisierte sie die folgenden weltweiten Klimastreiks. Seit knapp zwei Jahren plant sie Massenproteste, attackiert Kohlekonzerne und spricht mit Politiker*innen und Bürger*innen, im Fernsehen und auf Demostrationen über Klimagerechtigkeit. Wenn sie nicht für Klimagerechtigkeit protestiert, studiert die 22-Jährige Politik und Wirtschaft und trainiert den Vereinsnachwuchs im Geräteturnen.

Foto von Markus C. Hurek

Beadie Finzi

Foundation Director at Doc Society

Beadie Finzi ist eine der Gründungsdirektorinnen der Doc Society, einer gemeinnützigen Filmstiftung mit Sitz in London, New York und Amsterdam, die die Gemeinschaft unabhängiger Filmemacher weltweit unterstützt.

Nachdem sie in den letzten 25 Jahren im Dokumentarfilm gearbeitet hat, ist Beadie Finzi in ihrer Rolle bei der Doc Society wie im Paradies. Neben der Vergabe von Stipendien an Künstler und Journalisten aus der Dokumentarfilmbranche unterstützt sie den kreativen Prozess unterstützen, hilft bei der Entwicklung von Wirkungsstrategien und bringt sie mit Vertretern der Zivilgesellschaft zusammen. Sie stellt neue Modelle vor, die unabhängige Filmemacher weltweit unterstützen werden. Neben leitenden Tätigkeiten bei der Produktion einer Reihe von Filmen bei der Stiftung ist Beadie auch für Programme wie Good Pitch & Climate Story Lab verantwortlich. Sie leitet die Ausbildung in unseren Impact-Workshops und die Entwicklung von Ressourcen für den Bereich, einschließlich des Impact Field Guide. 

Roos Van De Weerd

Patagonia

As Events & Content Marketing Manager at Patagonia, Roos Van De Weerd is responsible for elevating the brand’s identity across Europe, through film, photography, the written word and events, both live and virtual. In her role, she is been instrumental in bringing to life the Patagonia mission statement: We’re in business to save our home planet, through environmental campaigns such as Save the Blue Heart of Europe and Artifishal, as well as sports activism events including Running Up For Air.

With a lifelong commitment to social and environmental activism, Roos has experience of working with multiple social enterprises, such as Fairphone, and as part of direct action environmental groups, creating campaigns from the bottom up. Roos lives in Amsterdam, where Patagonia’s European headquarters are based. However, as an avid surfer, she is happiest when she is near the ocean, whether playing in it or protecting it.

Professor Stephan Lewandowsky, FAcSS, FAPS

Chair in Cognitive Science, University of Bristol

Professor Stephan Lewandowsky ist Kognitionswissenschaftler an der University of Bristol, sein Forschungsgebiet umfasst Gedächtnis- und Wissensstrukturen sowie Entscheidungsfindung. Dabei beschäftigen ihn insbesondere physische Veränderungen des Gedächtnisses, wenn sich für richtig gehaltene Information als falsch herausstellen. So untersuchte er die gesellschaftliche Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungstheorien. Lewandowsky setzt sich mit den Faktoren auseinander, von denen abhängt, ob Personen wissenschaftliche Erkenntnisse akzeptieren oder nicht.

Sein Interesse für die Diskrepanzen zwischen der menschlichen Kognition und der geophysikalischen Tatsachen des Klimawandels brachte ihn zur Klimaforschung.
Infolge dieser wurde er 2017 zum Visiting Scientist des CSIRO Oceans & Atmosphere Instituts im tasmanischen Hobart ernannt.

Raka Sangma

Präsident des Indian Youth Climate Network (IYCN)

Als Präsident des Indian Youth Climate Network (IYCN) setzt sich Raka Sangma für die Stimmen von Jugendlichen bei der Bekämpfung der Klimakatastrophe ein. In Garo Hills, Meghalaya, ist er aufgewachsen und lebt mittlerweile in Neu-Delhi. Er hat einen Bachelor in Environmental und einen Master in Krisenmanagement. Seine Forschungsgebiete sind die Bewahrung von Biodiversität, naturorientierte Lösungsansätze zu CCA & DRR und die Tugenden von Indigenen.

23. SEPTEMBER 2020